Was du in diesem Modul lernst
- Nach diesem Modul kannst du einen konkreten Unterstützungs-Workflow mit KI entwerfen
- Nach diesem Modul kannst du nächste Schritte für die Erprobung planen
- Nach diesem Modul kannst du reflektieren, ob dein Workflow inklusiv wirkt und keine neuen Ungerechtigkeiten schafft
Beispiel aus dem Alltag: Claudia und ihr Wochen-Workflow
Claudia, Inklusionslehrerin an einer Grundschule, hat sich einen festen Wochen-Workflow mit KI aufgebaut. Jeden Sonntagabend nimmt sie sich 30 Minuten Zeit und bereitet die Materialien für die kommende Woche vor.
Ihr Workflow sieht so aus:
- Sie schaut in den Wochenplan: Welche Themen stehen an?
- Sie identifiziert die 2-3 Texte oder Aufgaben, die Anpassungen brauchen.
- Sie öffnet die KI und gibt die Texte ein, mit klaren Prompts für Vereinfachung, Hilfestufen und Übungsvarianten.
- Sie prüft die Ergebnisse: Stimmt der Inhalt? Passt die Sprache? Sind die Hilfestufen sinnvoll?
- Sie speichert alles in ihrem Material-Ordner.
Vorher hat Claudia für diese Vorbereitung 2-3 Stunden gebraucht. Jetzt sind es 30 Minuten. Die gewonnene Zeit nutzt sie am Montag, um mit ihren Förderkindern zu reden: 'Wie war dein Wochenende? Was beschäftigt dich gerade?' Diese Gesprächszeit ist unbezahlbar, und früher kam sie immer zu kurz.
Nils, Sonderpädagoge im selben Team, hat einen anderen Workflow: Er nutzt KI vor allem für die Förderkonferenzen. Vor jedem Treffen lässt er sich Formulierungsvorschläge für Förderziele generieren und Materialideen zusammenstellen. In der Konferenz dienen diese als Diskussionsgrundlage, nicht als fertige Entscheidung.
Mögliche Workflows
Wähle den Workflow, der am besten zu deinem Alltag passt:
Workflow A: Wöchentliche Material-Anpassung
Ausgangspunkt: Vorhandenes Material (Text, Aufgabe) aus dem Wochenplan
KI-Schritt 1: Vereinfachte Version erstellen lassen
KI-Schritt 2: Hilfestufen generieren lassen
KI-Schritt 3: 2-3 Übungsvarianten erstellen lassen
Prüfung: Inhaltlich korrekt? Altersgerecht? Zum Förderziel passend?
Einsatz: Im Unterricht mit verschiedenen Gruppen
Zeitaufwand: ca. 30 Minuten pro Woche
Beispiel-Prompt: 'Hier ist ein Sachtext zum Thema Wasser für Klasse 3: [Text]. Erstelle: (1) Eine vereinfachte Version mit kürzeren Sätzen und einfacheren Wörtern. (2) 3 Hilfekarten mit steigender Unterstützung. (3) 3 Verständnisfragen auf Basisniveau.'
Workflow B: Elternkommunikation inklusiv
Ausgangspunkt: Elterninfo zu einem Thema
KI-Schritt 1: Version in einfacher Sprache erstellen
KI-Schritt 2: Basis-Übersetzung in 1-2 Sprachen
KI-Schritt 3: Checkliste für Lernende erstellen
Prüfung: Verständlich? Richtig übersetzt? Vollständig?
Einsatz: An Eltern verteilen, Checkliste für Kinder
Zeitaufwand: ca. 15 Minuten pro Elternbrief
Workflow C: Förder-Material-Pool
Ausgangspunkt: Förderziel aus der Teamabsprache
KI-Schritt 1: 5 Übungsideen generieren lassen
KI-Schritt 2: Material-Entwürfe auf 3 Niveaus erstellen
KI-Schritt 3: Beobachtungsbogen-Struktur entwerfen lassen
Prüfung: Im Förderteam besprechen, auswählen, anpassen
Einsatz: In der Einzelförderung oder Kleingruppe
Zeitaufwand: ca. 20 Minuten pro Förderziel
Alle drei Workflows folgen dem gleichen Prinzip: Fachliche Entscheidung zuerst, dann KI als Werkzeug, dann fachliche Prüfung.
Inklusiv oder ausgrenzend? Reflexionsfragen
Gute Absichten reichen nicht. Reflektiere deinen Workflow mit diesen Fragen:
Hilft es oder schadet es?
- Bekommen Kinder mit besonderen Bedarfen MEHR Zugang zu Lerninhalten, oder werden sie durch Sondermaterial von der Klasse getrennt?
- Fühlen sich die Kinder unterstützt, oder stigmatisiert?
- Konkreter Test: Würde das Kind sich schämen, wenn andere sehen, dass es anderes Material bekommt?
Ist es gerecht?
- Profitieren nur bestimmte Kinder von der KI-Unterstützung, während andere leer ausgehen?
- Wird der Aufwand für die Materialerstellung fairer verteilt?
- Konkreter Test: Bekommt jedes Kind die Unterstützung, die es braucht, nicht nur die Kinder mit offiziellem Förderstatus?
Bleibt die Entscheidung beim Menschen?
- Entscheidet immer noch das Fachteam, was ein Kind braucht?
- Oder schleicht sich eine 'KI weiß es besser'-Haltung ein?
- Konkreter Test: Hast du in den letzten 2 Wochen ein KI-Ergebnis abgelehnt oder stark verändert? Wenn nein, prüfst du noch kritisch genug?
Ist es transparent?
- Wissen Eltern, Kinder und Kollegen, wie KI eingesetzt wird?
- Gibt es eine Möglichkeit für Feedback und Anpassung?
- Konkreter Test: Könntest du auf einem Elternabend erklären, wie du KI nutzt, ohne dass es unangenehm wird?
Diese Reflexion ist kein einmaliges Ereignis. Sie gehört zu jedem Workflow dazu, am besten als fester Punkt in der Förderkonferenz.
Tipp
Checkliste für deinen Start
- Wähle nur einen Workflow (A, B oder C), nicht alle auf einmal.
- Starte mit einem Kind oder einer Aufgabe, nicht mit der ganzen Klasse.
- Plane 15 bis 30 Minuten für den ersten Versuch ein.
- Prüfe das Ergebnis gründlich, bevor du es einsetzt.
- Besprich deine Erfahrung in der nächsten Teamsitzung.
- Sammle gelungene Prompts in einem gemeinsamen Dokument.
- Hol dir nach zwei Wochen Rückmeldung vom Kind und vom Team und zieh selbst Bilanz.
- Passe deinen Workflow an, bevor du ihn ausweitest.
Praxis-Aufgabe
In den nächsten 7 Tagen umsetzen
Nimm dir diese konkreten Schritte für die nächste Woche vor.
1Was ist das Grundprinzip aller inklusiven KI-Workflows?
2Welche Reflexionsfrage ist am wichtigsten für einen inklusiven KI-Workflow?
3Wem nützt ein Förder-Material-Pool, der mit KI erstellt wird, am meisten?
Praxis-Aufgabe
Deinen inklusiven Workflow dokumentieren
Beschreibe deinen eigenen Unterstützungs-Workflow Schritt für Schritt: (1) Ausgangspunkt: Welches Material brauchst du regelmäßig in verschiedenen Versionen? (2) KI-Unterstützung: Schreibe den konkreten Prompt, den du verwenden würdest. (3) Pädagogische Prüfung: Was genau prüfst du am Ergebnis? Erstelle eine Mini-Checkliste mit 3-5 Prüfpunkten. (4) Einsatz: Wie und wo setzt du das Material ein? (5) Abschlussreflexion: Wie merkst du, dass dieser Workflow inklusiv wirkt, und nicht neue Ungerechtigkeiten schafft? Nenne einen konkreten Indikator.
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