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Modul 1 von 5

Was ist ChatGPT – und was nicht?

15 Min Lesezeit

Was du in diesem Modul lernst

  • Nach diesem Modul kannst du in eigenen Worten erklären, was ChatGPT ist und wie es Antworten erzeugt
  • Nach diesem Modul kannst du drei konkrete Unterschiede zwischen ChatGPT und einer Suchmaschine benennen
  • Nach diesem Modul kannst du mindestens zwei kostenlose oder schulische KI-Alternativen aufzählen

ChatGPT in 3 Sätzen

ChatGPT ist ein Sprachmodell (Large Language Model). Es hat aus Milliarden von Texten gelernt, welche Wörter wahrscheinlich aufeinanderfolgen. Wenn du eine Frage stellst, berechnet es die wahrscheinlichste Antwort – Wort für Wort.

Das bedeutet:

  • ChatGPT versteht nicht wirklich, was es schreibt
  • Es kann beeindruckend gute Texte produzieren
  • Es kann aber auch überzeugend falsche Dinge behaupten (Halluzinationen)
  • Es hat einen Wissensstand mit Stichtag – aktuelle Ereignisse kennt es nicht immer

ChatGPT ist kein allwissendes Orakel. Es ist ein sehr leistungsfähiges Textwerkzeug, das dir viel Arbeit abnehmen kann, wenn du es richtig einsetzt und die Ergebnisse prüfst.

Ein Bild zum Verstehen: Stell dir vor, du hast einen sehr belesenen Praktikanten. Er hat jedes Buch in der Bibliothek gelesen, jede Zeitung, jedes Arbeitsblatt. Wenn du ihn fragst, kann er dir einen wunderbaren Text schreiben, aber er hat nie selbst in einer Klasse gestanden. Er weiß nicht, ob Luisa in der dritten Reihe gerade ihren Hamster verloren hat. Er kennt keine Gesichter, keine Stimmungen, keine Pausenhof-Dramen. Er liefert dir Material, du machst den Unterricht.

Beispiel aus dem Alltag: Sabine entdeckt ChatGPT

Sabine unterrichtet Deutsch und Sachunterricht an einer Gesamtschule. Freitagnachmittag, 15 Uhr, drei Stapel Hefte vor sich und die Projektwoche nächste Woche noch nicht geplant. Eine Kollegin hat ihr von ChatGPT erzählt.

Sabine öffnet chatgpt.com, erstellt ein kostenloses Konto und tippt: 'Ich brauche Ideen für eine Projektwoche Klasse 5 zum Thema Wasser.' Innerhalb von Sekunden bekommt sie fünf verschiedene Vorschläge, mit Tagesplänen, Aktivitäten und Materiallisten.

Ihr erster Gedanke: Das ist ja unglaublich. Ihr zweiter Gedanke: Moment, stimmt das alles? Sie liest genauer, und findet tatsächlich einen Fehler: ChatGPT behauptet, Wasser koche bei 90 Grad auf Meereshöhe. Falsch. Es sind 100 Grad.

Sabines Fazit nach der ersten Stunde: ChatGPT ist wie ein sehr schneller Ideengeber, der manchmal Unsinn erzählt. Nützlich, aber man muss alles prüfen. Genau diese Haltung ist der Schlüssel für den erfolgreichen Einstieg.

Auch Tom, Erzieher in einer Kita, hat ChatGPT zum ersten Mal ausprobiert. Er wollte einen Elternbrief zum Sommerfest schreiben. Sein Prompt: 'Schreibe einen Elternbrief für ein Kita-Sommerfest.' Das Ergebnis war brauchbar, aber viel zu förmlich. Tom lernte schnell: Je genauer man beschreibt, was man will, desto besser wird das Ergebnis.

ChatGPT ist keine Suchmaschine

Ein häufiges Missverständnis: ChatGPT ist kein Google-Ersatz.

Google und Co.: Durchsuchen das Internet nach vorhandenen Webseiten und zeigen dir Links. Du siehst die Quelle und kannst sie prüfen.

ChatGPT: Generiert eine neue Antwort basierend auf gelernten Mustern. Es gibt keine Links, keine Quellenangaben (außer du fragst explizit danach), keine Garantie für Aktualität.

Wofür ChatGPT besser ist als eine Suchmaschine:

  • Texte formulieren und umformulieren
  • Ideen generieren und variieren
  • Strukturen vorschlagen (Ablaufpläne, Gliederungen)
  • Differenzierte Versionen erstellen
  • Zusammenfassungen schreiben
  • Aufgaben auf verschiedenen Niveaus erstellen
  • Texte vereinfachen oder in einfache Sprache bringen

Wofür eine Suchmaschine besser ist:

  • Aktuelle Informationen und Fakten
  • Quellenrecherche
  • Offizielle Dokumente und Vorschriften
  • Bilder und Videos finden
  • Lehrpläne und Erlasse nachschlagen

Faustregel: Wenn du etwas erstellen willst (Text, Idee, Aufgabe), ist ChatGPT stark. Wenn du etwas nachschlagen willst (Fakt, Quelle, Vorschrift), nimm eine Suchmaschine.

Versionen und Alternativen

Es gibt nicht nur ein ChatGPT. Hier ein Überblick:

ChatGPT (OpenAI)

  • Kostenlose Version: Grundfunktionen mit einem kleineren Modell, ausreichend für den Einstieg
  • Plus-Version (ca. 20 Euro/Monat): Schneller, leistungsfähiger, Bildgenerierung
  • Zugang: chatgpt.com oder App (iOS/Android)

Schulische Alternativen:

  • schulKI: Speziell für den deutschen Bildungsbereich, oft über den Schulträger verfügbar
  • fobizz KI-Assistenz: Speziell für Lehrkräfte
  • FelloFish (früher Fiete.ai): KI-Tool für Feedback im Unterricht

Andere allgemeine Chat-KIs:

  • Claude (Anthropic): Ähnlich wie ChatGPT, oft bei langen Texten stärker
  • Gemini (Google): In Google-Dienste integriert
  • Copilot (Microsoft): In Bing und Office integriert

Was sollst du wählen? Für den Einstieg reicht die kostenlose ChatGPT-Version völlig aus. Wenn deine Schule ein Tool wie schulKI bereitstellt, nutze das und frag nach, welche Daten du dort eingeben darfst. Die Techniken, die du in diesem Kurs lernst (Prompts formulieren, Ergebnisse prüfen, Materialien erstellen), funktionieren mit allen genannten Tools. Du lernst hier keine Software, sondern eine Arbeitsweise.

Erster Kontakt mit ChatGPT – Dos und Don'ts

Vermeiden
  • Blind vertrauen: ChatGPT erfindet überzeugend klingende Fakten
  • Personenbezogene Daten eingeben (Namen, Noten, Förderpläne)
  • Erwarten, dass ChatGPT aktuelle Ereignisse kennt
  • Enttäuscht aufgeben, wenn das erste Ergebnis nicht perfekt ist – Nachprompten hilft
Besser so
  • Kostenlos starten: Die Gratisversion reicht für den Einstieg völlig aus
  • Mit einfachen Fragen anfangen, um ein Gefühl für die Antworten zu bekommen
  • Ergebnisse immer kritisch lesen und auf Fehler prüfen
  • Schulische Alternativen nutzen, wenn deine Schule sie anbietet
  • ChatGPT als Werkzeug sehen, nicht als Ersatz für eigenes Denken
0/3

1Warum kann ChatGPT manchmal falsche Informationen überzeugend darstellen?

2Wofür eignet sich ChatGPT BESSER als eine Suchmaschine?

3Was ist der wichtigste Unterschied zwischen ChatGPT und schulKI?

Praxis-Aufgabe

Deine Erwartungen und Fragen

Notiere in 3-5 Stichpunkten: (1) Was erhoffst du dir von ChatGPT für deinen Arbeitsalltag? (2) Welche konkreten Aufgaben würdest du gerne abgeben oder beschleunigen? (3) Was befürchtest du oder wo bist du unsicher? (4) Hast du schon einmal ein KI-Tool ausprobiert, wenn ja, wie war die Erfahrung? Diese Stichpunkte helfen dir, am Ende des Kurses zu reflektieren, wie sich deine Einstellung verändert hat.

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