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Modul 6 von 6

Schulabsprachen & Aktionsplan: Gemeinsam statt Einzelkampf

20 Min Lesezeit

Was du in diesem Modul lernst

  • Nach diesem Modul kannst du drei Kernelemente eines schulischen KI-Prüfungskonzepts benennen
  • Nach diesem Modul kannst du Eltern verständlich erklären, wie deine Schule mit KI in Prüfungen umgeht
  • Nach diesem Modul kannst du einen konkreten Aktionsplan für die nächsten 8 Wochen erstellen

Warum Einzelkampf nicht funktioniert

Wenn du als einzelne Lehrkraft klare Regeln für KI in deinen Prüfungen hast, ist das gut, aber nicht genug. Hier sind die Probleme, die nur auf Schulebene lösbar sind:

Ungleichbehandlung zwischen Klassen: In Klasse 8a ist KI in Aufsätzen erlaubt, in 8b nicht. Schüler der 8a bekommen dann womöglich bessere Noten. Das Kollegium merkt das und streitet.

Widersprüchliche Regeln bei Eltern: Eltern bekommen in einem Fach 'KI ist verboten', im anderen 'KI ist erlaubt'. Sie verstehen das System nicht und werden verunsichert.

Rechtliche Unklarheit: Wenn ein Schüler wegen 'unerlaubter KI-Nutzung' in einem Fach abgewertet wird, während ein anderes Fach diese Nutzung erlaubt, fehlt eine einheitliche Grundlage für Widersprüche.

Fehlende Orientierung für neue Lehrkräfte: Jede neue Lehrkraft muss sich ihr eigenes System bauen. Das verbraucht Zeit und Energie.

Unterstützung fehlt: Wenn ein Verdachtsfall eskaliert, stehst du allein. Eine Schulregelung gibt dir Rückendeckung.

Die Lösung ist ein einfaches schulweites KI-Prüfungskonzept. Nicht 30 Seiten juristisch, sondern 2 Seiten praxistauglich.

Die drei Bausteine eines schulischen KI-Prüfungskonzepts

Baustein 1: Erlaubnisregeln pro Prüfungsformat

Klar und einheitlich festlegen, welcher Prüfungstyp welchen Modus verwendet:

  • Klassenarbeiten (schriftlich, in der Schule): in der Regel KI-frei
  • Hausaufgaben: KI erlaubt, sofern nicht explizit anders angesagt
  • Projektarbeiten: KI explizit erlaubt, aber Dokumentation pflicht
  • Facharbeiten: Eigener Abschnitt zur KI-Nutzung mit klaren Vorgaben
  • Mündliche Prüfungen: KI-frei (passiert ohnehin live)

Baustein 2: Dokumentations- und Transparenzpflichten

Wenn KI erlaubt ist, muss sie dokumentiert werden:

  • Welche Tools wurden verwendet?
  • Welche Prompts wurden eingesetzt?
  • Welche Entscheidungen hat der Schüler eigenständig getroffen?
  • Was wurde vom KI-Output übernommen, was geändert?

Das ist kein Bürokratie-Selbstzweck. Dokumentation macht Prozesse sichtbar und bewertbar.

Baustein 3: Umgang mit Verstößen

Ein einheitliches Vorgehen bei Verdachtsfällen:

  1. Erstgespräch mit dem Schüler (inhaltliche Nachfrage)
  2. Nacharbeitsaufgabe (wenn Zweifel bleiben)
  3. Bei wiederholtem Verstoß: Klassenlehrer + Schulleitung informieren
  4. Keine Noten auf Basis von KI-Detektoren

Das Konzept muss nicht perfekt sein. Es muss existieren und kommuniziert werden.

Eltern ins Boot holen

Eltern sind verunsichert. Die Nachrichten über KI im Unterricht lassen sie oft ratlos zurück. Gute Kommunikation ist Teil der Umsetzung.

Was Eltern wissen müssen:

  • Welche Grundsätze gelten an der Schule?
  • Wie werden ihre Kinder mit KI umgehen lernen?
  • Was passiert bei Verdachtsfällen?
  • Wo können sie Fragen stellen?

Ein einfacher Elternbrief kann so aussehen:

'Liebe Eltern,

Künstliche Intelligenz (KI) verändert auch den Schulalltag. Wir haben uns als Kollegium entschieden, nicht zu verbieten, was die Schüler in ihrem Leben sowieso nutzen werden, sondern ihnen einen kompetenten Umgang beizubringen.

Für Prüfungen gelten bei uns drei klare Regeln:

  1. In Klassenarbeiten ist KI nicht zugelassen. Diese prüfen grundlegende Fertigkeiten, die ohne Hilfsmittel beherrscht werden sollen.
  2. Bei Hausaufgaben und Projektarbeiten ist KI erlaubt, aber muss dokumentiert werden. Ihre Kinder lernen, KI als Werkzeug zu nutzen und ihre Entscheidungen zu reflektieren.
  3. Mündliche Prüfungen und Präsentationen zeigen, ob Ihre Kinder wirklich verstanden haben, was sie abgegeben haben.

Bei Fragen sprechen Sie gerne Ihre Fachlehrkraft oder die Schulleitung an.'

Wichtig: Einfach, konkret, ohne Fachjargon. Eltern wollen wissen, was ihre Kinder erwartet, nicht die didaktische Debatte.

Dein Aktionsplan für die nächsten 8 Wochen

Theorie allein hilft nicht. Hier ist ein konkreter 8-Wochen-Plan, um das Gelernte umzusetzen:

Woche 1-2: Eigene Situation klären

  • Liste deine nächsten drei Prüfungen auf
  • Ordne jeder einen Modus zu (über/mit/von KI)
  • Entwickle für eine davon eine Rubric mit KI-Unterstützung

Woche 3-4: Pilotieren

  • Führe die erste Prüfung mit dem neuen Konzept durch
  • Kommuniziere die KI-Regeln vorher klar mit der Klasse
  • Dokumentiere: Was hat funktioniert? Was nicht?

Woche 5-6: Fachschaft einbeziehen

  • Bringe das Thema auf die nächste Fachschaftssitzung
  • Schlage eine gemeinsame Grundlinie für euer Fach vor
  • Teile deine Pilot-Erfahrungen

Woche 7-8: Konsolidieren

  • Passe dein Konzept auf Basis der Pilot-Erfahrung an
  • Erstelle einen kurzen Elternbrief (Vorlage aus dem Kurs)
  • Plane, welche weiteren Prüfungen du umstellen willst

Parallel, wenn möglich: Sprich mit der Schulleitung über ein schulweites Konzept. Verweise auf diese Fortbildung als Grundlage.

Wichtig: Dieser Plan ist ein Vorschlag, kein Pflichtprogramm. Passe ihn an deine Situation an. Der Schlüssel ist, überhaupt anzufangen.

0/3

1Warum ist ein schulweites KI-Prüfungskonzept wichtig?

2Was sind die drei Bausteine eines schulischen KI-Prüfungskonzepts?

3Was ist der erste Schritt in deinem Aktionsplan?

Praxis-Aufgabe

Transferauftrag: Dein persönlicher Aktionsplan

Notiere hier deinen konkreten Aktionsplan für die nächsten 8 Wochen. Pro Woche: Was machst du? Wann? Mit wem? Woran erkennst du Erfolg? Je konkreter, desto besser. Diese Notizen sind nur für dich.

Nur für dich. Wird nicht gespeichert und nicht bewertet.

Tipp

Zum Abschluss: Was du mitnimmst

Du hast jetzt ein klares Denkschema für KI und Prüfungen:

  1. Rechtsrahmen kennen: DSGVO, Transparenz, Fairness, Chancengleichheit
  2. KI als Assistent nutzen: Für Aufgabenentwicklung, Rubrics, Differenzierung, Feedback-Formulierung
  3. Die drei Modi bewusst einsetzen: Über, mit, von KI prüfen, je nach Lernziel
  4. Grenzen der KI kennen: Nie als Richter, nie ungeprüft, nie ohne eigene fachliche Einschätzung
  5. Schulweit denken: Einzelkampf funktioniert nicht, Absprachen schaffen Sicherheit

Das Wichtigste ist nicht die Perfektion deines ersten Konzepts, sondern dass du überhaupt anfängst. Kleine, überlegte Schritte sind besser als große Pläne, die nie umgesetzt werden.

Im Abschlusstest kannst du dein Wissen überprüfen. Danach bekommst du dein Teilnahmezertifikat.