Irgendwann kommt die Frage: Muss ich jetzt KI lernen? Und wenn ja, was genau? Einen Kurs? Programmieren? Prompt-Engineering? Die ehrliche Antwort: Das kommt darauf an, was du täglich machst.
Das appliedAI Institute for Europe (öffnet in neuem Fenster) hat ein Rahmenwerk veröffentlicht, das KI-Kompetenzen von den Aufgaben her denkt. Das ist für pädagogische Fachkräfte unmittelbar relevant: nicht vom Berufstitel aus, sondern von dem, was du konkret tust. Was tust du täglich? Und welche davon kann KI sinnvoll unterstützen?
Warum allgemeine KI-Fortbildungen nicht reichen
Laut dem Future of Jobs Report 2025 des Weltwirtschaftsforum (öffnet in neuem Fenster) erwartet eine große Mehrheit der befragten Unternehmen, dass KI ihre Arbeitswelt bis 2030 grundlegend verändert. Auch ein erheblicher Teil der heute gefragten Fähigkeiten wird sich verändern. Das ist ein großer Wandel. Aber er sagt wenig darüber, was du als Fachkraft in Kita oder Schule, in der Schulsozialarbeit oder als GBS-Leitung konkret tun sollst.
Hier hilft ein Blick auf die einzelnen Aufgaben einer Stelle. Eine Arbeitsmarktstudie legt nahe: Wenn KI einen Großteil der Aufgaben einer Stelle übernehmen kann, geht Beschäftigung in diesem Bereich zurück. Wenn KI nur einen Teil der Aufgaben betrifft, kann Beschäftigung sogar wachsen, weil sich Fachkräfte auf Tätigkeiten konzentrieren können, die Menschen besser bewältigen (Hampole et al., 2025 (öffnet in neuem Fenster)). Diese Ergebnisse stammen aus Unternehmen, nicht aus Kitas oder Schulen, und sagen nichts über deine Stelle. Der Blick auf Aufgaben statt auf Berufe hilft trotzdem: Beziehungsarbeit mit Kindern bleibt Menschensache. Bei Dokumentation, Elternbriefen und Dienstplänen liegt das Potenzial für KI.
Vier Perspektiven, eine davon ist deine
Das AI Skills Framework unterscheidet vier Arten, wie Menschen mit KI in Berührung kommen. Nicht jede Perspektive ist für jede Rolle gleich relevant.
KI-Kompetenzen: Vier Perspektiven im Überblick
| Perspektive | Was es bedeutet | Besonders relevant für |
|---|---|---|
| KI nutzen | Tools einsetzen, Prompts formulieren, Ergebnisse prüfen und anpassen | Erzieher, Lehrkräfte, GBS- und OGS-Teams |
| KI integrieren | Einen festen Arbeitsablauf mit KI planen, zum Beispiel für Elternbriefe oder Dienstpläne, und dabei den Datenschutz klären | Kita-Leitungen, Schulleitungen, Träger |
| KI mitgestalten | Mit Anbietern sprechen, Anforderungen formulieren, Qualität beurteilen | Leitungen, Fachberatung, Koordination |
| KI einbetten | Teamregeln festlegen, Eltern informieren, Medienkompetenz in der Einrichtung verankern | Alle mit pädagogischer Verantwortung |
Das passt gut zu Bildungseinrichtungen: KI-Kompetenzen entstehen nicht in der Theorie, sondern im Berufsfeld. Technisches Grundwissen allein reicht nicht. Entscheidend ist das Fachurteil, das pädagogische Fachkräfte schon mitbringen.
Von Aufgaben denken, nicht von Titeln
Eine Kita-Leitung übernimmt in einer Woche viele verschiedene Tätigkeiten: Dienstplan, Entwicklungsgespräch, Förderantrag, Elternbrief, Teamrunde. Für jede davon ist KI unterschiedlich nützlich. Das Rahmenwerk schlägt vor, genau dort anzusetzen: Welche Aufgaben kosten am meisten Zeit? Wo wäre Unterstützung sofort spürbar?
Eine Grundschullehrerin, die ChatGPT für differenziertes Übungsmaterial einsetzt, braucht andere Kompetenzen als eine Kita-Leitung, die prüft, ob ein KI-Tool für Entwicklungsberichte datenschutzkonform eingesetzt werden kann. Beide machen etwas Sinnvolles. Aber ihre nächste Fortbildung sollte verschieden sein.
Differenzierung ist ein Beispiel für eine solche Aufgabe: Sie kostet viel Zeit, KI kann einen ersten Entwurf liefern, und das pädagogische Urteil bleibt bei dir. Dafür gibt es den Lernstufen-Generator, der Lernmaterial in bis zu vier Niveaustufen erstellt. Die KI übernimmt nicht das Unterrichten, sie schafft Zeit für das, was pädagogisches Urteil braucht.
Datenschutz von Anfang an
KI-Einsatz in Bildungseinrichtungen funktioniert nur, wenn die rechtlichen Grundlagen stimmen. Ohne geklärte Rechtslage gehört kein Tool in den Alltag.
Die DSGVO macht klare Vorgaben, die auch bei KI-Tools gelten. Ein AVV mit dem jeweiligen Anbieter ist Pflicht, sobald personenbezogene Daten verarbeitet werden könnten. Viele Anbieter stellen diese Verträge auf Anfrage bereit. Es lohnt sich, danach zu fragen, bevor das Team ein Tool regelmäßig nutzt.
Sinnvoll ist außerdem, im Team klare Absprachen zu treffen: Welche Dokumente dürfen KI-gestützt erstellt werden? Wie kennzeichnen wir das? Und wie informieren wir Eltern transparent?
Was du jetzt tun kannst
Niemand muss alles auf einmal lernen. Ein pragmatischer Einstieg: Im Team besprechen, welche Aufgaben täglich Zeit fressen. Dann schauen, wo KI konkret helfen könnte. Und dann gezielt suchen, welche Kompetenz dafür gebraucht wird, nicht welcher Kurs gerade verfügbar ist.
Der Anthropic Economic Index (öffnet in neuem Fenster) wertet aus, wofür Menschen KI tatsächlich nutzen. Für Kitas und Schulen sagt er nichts, er zeigt aber, dass KI häufig als Unterstützung für Menschen eingesetzt wird. Wer jetzt anfängt, sammelt früh eigene Erfahrungen.
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