Was du in diesem Modul lernst
- Nach diesem Modul kannst du Daten anhand der Daten-Ampel in Grün, Gelb und Rot einordnen
- Nach diesem Modul kannst du konkret benennen, welche Daten nie in offene KI-Dienste eingegeben werden dürfen
- Nach diesem Modul kannst du eine persönliche Daten-Ampel für deinen Arbeitsalltag erstellen
Die Daten-Ampel: Grün, Gelb, Rot
Nicht alle Daten sind gleich sensibel. Eine einfache Ampel hilft bei der Einordnung.
Beispiel aus dem Alltag: Thomas, Lehrer an einer Gesamtschule, nutzt ChatGPT täglich. Er hat sich die Daten-Ampel an den Monitor geklebt, und sagt, das war die beste Entscheidung: 'Ich denke jetzt automatisch in Grün, Gelb, Rot, bevor ich etwas eintippe.'
GRÜN – Unproblematisch:
- Allgemeine Unterrichtsinhalte (z. B. 'Erkläre Photosynthese für Klasse 4')
- Formulierungshilfen ohne Personenbezug
- Ideen für Projekte, Ausflüge, Methodenvorschläge
- Allgemeine Elternbriefe ohne Namen
- Arbeitsblatt-Entwürfe zu Sachthemen
GELB – Nur mit Vorsicht (anonymisiert):
- Texte, die auf eine bestimmte Klasse/Gruppe bezogen sind (ohne Namen)
- Differenzierte Aufgaben für 'ein Kind mit Leseschwierigkeiten' (ohne Name)
- Protokoll-Gerüste aus Stichpunkten (ohne Namen und sensible Details)
ROT – Nie in offene KI-Tools:
- Namen von Kindern, Eltern, Kollegen
- Noten, Zeugnistexte, Lernstandsberichte mit Personenbezug
- Förderpläne, Diagnosen, Gesundheitsdaten
- Fotos von Kindern
- Inhalte aus Elterngesprächen
- Disziplinarische Vorgänge
Dein Schnelltest vor jeder Eingabe: Stell dir vor, der Text, den du gerade eingeben willst, würde morgen in der Zeitung stehen. Wäre das okay? Wenn nein, nicht eingeben.
Praxisszenarien: Was geht, was nicht?
Hier sind typische Situationen aus dem Alltag von Lehrkräften und Erziehern, und ihre Einordnung:
Szenario 1 – Julia, Grundschullehrerin: Julia lässt sich einen Elternbrief zum Thema Ausflug schreiben: 'Schreibe einen freundlichen Elternbrief: Klasse 3 macht am Freitag einen Ausflug zum Wildpark.'
Bewertung: GRÜN – Solange keine echten Namen, Adressen oder sensiblen Details drin sind. Anlass, Datum und allgemeine Infos sind unproblematisch.
Szenario 2 – Markus, Kita-Leiter: Markus kopiert seine handschriftlichen Notizen aus einem Elterngespräch in ChatGPT, um ein sauberes Protokoll zu erstellen: 'Fasse diese Notizen zusammen: Gespräch mit Frau Meyer, Sohn Leon zeigt aggressives Verhalten...'
Bewertung: ROT – Elterngespräche enthalten sensible, personenbezogene Informationen. Niemals in externe KI-Tools. Markus' bessere Alternative: Er tippt das Protokoll selbst und nutzt ChatGPT nur, um sich eine allgemeine Protokoll-Vorlage erstellen zu lassen.
Szenario 3 – Petra, Förderschullehrerin: Petra braucht differenzierte Aufgaben und schreibt: 'Erstelle Mathe-Aufgaben für ein Kind mit Konzentrationsschwierigkeiten, Klasse 2, Zahlenraum bis 20.'
Bewertung: GRÜN – Solange kein Name oder identifizierbare Details dabei sind. Petra nennt bewusst weder den Namen noch die Schule.
Szenario 4 – Stefan, Klassenlehrer: Stefan hat einen Zeugnistext geschrieben und möchte ihn sprachlich verbessern: 'Formuliere diesen Zeugnistext freundlicher: Max zeigt im Fach Deutsch...'
Bewertung: ROT – Zeugnistexte sind personenbezogene Dokumente. Stefans Alternative: Er nutzt die KI nur für allgemeine Zeugnisformulierungen ohne Personenbezug, z. B. 'Gib mir 5 positive Formulierungen für gute Mitarbeit im Fach Deutsch.'
Szenario 5 – Anna, Erzieherin: Anna plant eine Projektwoche und fragt: 'Gib mir 10 kreative Ideen für eine Projektwoche zum Thema Wald für 5- bis 6-Jährige.'
Bewertung: GRÜN – Keinerlei Personenbezug. Genau so sollte KI-Nutzung aussehen.
Richtig anonymisieren
Manchmal brauchst du KI-Hilfe bei Texten, die eigentlich sensibel sind. Dann anonymisiere konsequent.
Beispiel aus dem Alltag: Lisa, Sonderpädagogin, möchte einen Förderplan-Entwurf mit KI vorbereiten. So macht sie es richtig:
- FALSCH: 'Schreibe einen Förderplan für Emma Schmidt, 2. Klasse, Grundschule am Park, ADHS-Diagnose seit 2024'
- RICHTIG: 'Schreibe einen Förderplan-Entwurf für ein Kind in Klasse 2 mit Konzentrationsschwierigkeiten und Bewegungsdrang'
Lisa ergänzt dann den Namen und die konkreten Details manuell in ihrem Dokument.
So anonymisierst du richtig:
- Namen ersetzen: 'Max Müller' wird zu 'ein Schüler der Klasse 3'
- Diagnosen verallgemeinern: 'ADHS-Diagnose' wird zu 'Konzentrationsschwierigkeiten'
- Orte weglassen: Keine Schul- oder Kita-Namen
- Kombinationen vermeiden: Auch ohne Namen kann eine Person identifizierbar sein, wenn du zu viele Details nennst ('Das einzige Kind mit Rollstuhl in der 2b')
Dos and Don'ts beim Anonymisieren:
- DO: Allgemeine Beschreibungen verwenden ('ein Kind mit Förderbedarf im Bereich Sprache')
- DO: Erst anonymisieren, dann eingeben, nicht umgekehrt
- DO: Den fertigen KI-Text als Gerüst nutzen und Details offline ergänzen
- DON'T: Nur den Namen weglassen, aber alle anderen Details behalten
- DON'T: Seltene Merkmale nennen, die eine Person identifizierbar machen
- DON'T: Darauf vertrauen, dass 'Schüler A' wirklich anonym ist, wenn der Rest des Textes eindeutig ist
Faustregel: Könnte jemand, der den Text liest, erraten, um welche Person es geht? Dann ist es nicht anonym genug.
Wichtig: Anonymisierung ist ein Kompromiss, kein Freifahrtschein. Im Zweifel lieber ohne KI arbeiten als mit unzureichend anonymisierten Daten.
1Du möchtest einen Förderplan für ein Kind mit KI-Unterstützung erstellen. Wie gehst du vor?
2Welches Szenario ist GRÜN (unproblematisch)?
3Wann ist eine Anonymisierung NICHT ausreichend?
Praxis-Aufgabe
Deine persönliche Daten-Ampel
Erstelle deine eigene Daten-Ampel: Liste je 3-5 Beispiele auf für GRÜN (kann ich bedenkenlos mit KI machen), GELB (nur mit Anonymisierung) und ROT (nie in KI-Tools). Formuliere eine persönliche Faustregel: 'Diese Infos kommen bei mir nie in offene KI-Tools: ...'
Nur für dich. Wird nicht gespeichert und nicht bewertet.