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Modul 1 von 5

Orientierung: Worum geht es rechtlich bei KI?

20 Min Lesezeit

Was du in diesem Modul lernst

  • Nach diesem Modul kannst du die wichtigsten DSGVO-Grundbegriffe (personenbezogene Daten, Verantwortlichkeit, Datenminimierung) in eigenen Worten erklären
  • Nach diesem Modul kannst du die besonderen Datenschutzanforderungen von Schule und Kita als öffentliche Einrichtungen benennen
  • Nach diesem Modul kannst du einschätzen, welche Orientierung dieser Kurs bietet und wo individuelle Rechtsberatung nötig ist

Was ändert sich durch KI?

KI-Tools wie ChatGPT, DeepL oder Bildgeneratoren sind mächtige Werkzeuge. Aber sie werfen neue Fragen auf, die bei klassischen digitalen Tools weniger relevant waren.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Julia, Grundschullehrerin, tippt nach Feierabend einen Elternbrief in ChatGPT: 'Liebe Eltern von Klasse 3b, am Freitag findet unser Ausflug zum Bauernhof statt...' Klingt harmlos. Aber was passiert da eigentlich im Hintergrund?

Datenverarbeitung auf externen Servern: Wenn du Text in ein KI-Tool eingibst, wird er an Server geschickt, oft außerhalb Europas. Alles, was du eingibst, kann potenziell gespeichert und für Trainingszwecke verwendet werden. Julias Elternbrief kann also auf Servern in den USA landen, und dort gelten andere Datenschutzregeln.

Keine Kontrolle über die Verarbeitung: Anders als bei einer lokalen Software weißt du bei Cloud-KI-Diensten nicht genau, was mit deinen Eingaben passiert. Werden sie gespeichert? Für KI-Training verwendet? Gelöscht? Du weißt es nicht sicher.

Besondere Verantwortung: Als Pädagoge arbeitest du mit Daten von Kindern und Jugendlichen. Diese genießen besonderen Schutz, rechtlich und ethisch.

Schnelle Entwicklung: Neue Tools erscheinen ständig. Rechtliche Rahmenbedingungen hinken oft hinterher. Du brauchst eine Grundlogik, die auch bei neuen Tools funktioniert.

Was bedeutet das konkret? Du musst nicht jedes Tool verstehen. Aber du brauchst ein einfaches Denkschema: Welche Daten gebe ich ein? Wo landen sie? Ist das okay? Dieses Schema lernst du in diesem Kurs.

DSGVO-Grundbegriffe einfach erklärt

Du musst kein Jurist sein. Aber diese Begriffe solltest du kennen, hier mit Beispielen aus dem Schulalltag:

Personenbezogene Daten: Alle Informationen, die sich auf eine identifizierbare Person beziehen. Name, Adresse, Foto, aber auch Noten, Förderbedarf, Krankmeldungen. Beispiel: Markus, Kita-Leiter, schreibt in ChatGPT 'Emma, 4 Jahre, hat Sprachentwicklungsverzögerung', das sind personenbezogene Daten, weil Emma identifizierbar ist.

Besonders schützenswerte Daten: Gesundheitsdaten, religiöse Überzeugungen, ethnische Herkunft, biometrische Daten. Für diese gilt ein erhöhter Schutz. Was bedeutet das konkret? Wenn du weißt, dass ein Kind eine Therapie bekommt oder eine bestimmte Religion hat, diese Info darf unter keinen Umständen in ein KI-Tool.

Verantwortlicher: Wer entscheidet, warum und wie Daten verarbeitet werden. In der Schule ist das in der Regel die Schulleitung, in der Kita der Träger. Was bedeutet das konkret? Nicht du als Lehrkraft trägst die Hauptverantwortung, sondern deine Schulleitung. Aber: Du bist mitverantwortlich, wenn du gegen bekannte Regeln verstößt.

Auftragsverarbeitung (AVV): Wenn ein externer Dienstleister (z. B. ein KI-Tool-Anbieter) Daten in deinem Auftrag verarbeitet, braucht es einen Vertrag dafür. Stell dir das wie einen Handwerkervertrag vor: Bevor jemand an deinem Haus arbeitet, hältst du schriftlich fest, was er darf und was nicht.

Rechtsgrundlage: Jede Datenverarbeitung braucht eine rechtliche Basis. In Schulen oft: Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe oder Einwilligung. Einfach gesagt: Du brauchst immer einen guten Grund und eine rechtliche Erlaubnis, um Daten zu verarbeiten.

Grundsatz der Datenminimierung: Nur die Daten erheben und verarbeiten, die wirklich nötig sind. Weniger ist mehr. Praktisch heißt das: Wenn du eine KI um Hilfe bei einem Förderplan bittest, nenne nicht den Namen des Kindes, die KI braucht ihn nicht, um dir zu helfen.

Besonderheiten von Schule und Kita

Schulen und Kitas sind keine normalen Unternehmen. Es gelten besondere Regeln:

Öffentliche Einrichtungen: Schulen unterliegen dem Landesdatenschutzgesetz (LDSG) zusätzlich zur DSGVO. Kitas je nach Träger dem LDSG oder der DSGVO.

Schutz von Minderjährigen: Kinder und Jugendliche können nicht selbst in Datenverarbeitungen einwilligen (unter 16 Jahren). Die Eltern müssen informiert werden und ggf. zustimmen. Beispiel: Sabine, Klassenlehrerin, möchte ein KI-Lernquiz mit ihren Viertklässlern ausprobieren. Eigene KI-Konten legen die Kinder dafür nicht an, denn Kinder unter 16 nutzen keine eigenen Konten. Sabine startet das Quiz selbst am Smartboard und klärt das vorher mit den Eltern und der Schulleitung ab.

Pflichtnutzung vs. freiwillige Nutzung: Wenn Schüler ein Tool nutzen MÜSSEN (z. B. Lernplattform), gelten strengere Regeln als bei freiwilligen Angeboten. Was bedeutet das konkret? Wenn du sagst 'Ihr müsst diese App für die Hausaufgabe nutzen', brauchst du eine saubere rechtliche Grundlage. Wenn du sagst 'Wer möchte, kann das freiwillig ausprobieren', ist die Hürde niedriger, aber nicht null.

Schulleitung entscheidet: Lehrkräfte sollten keine eigenmächtigen Entscheidungen über neue KI-Tools treffen. Die Verantwortung liegt bei der Leitung.

Datenschutzbeauftragte: Jede Schule und jeder Kita-Träger benennt in der Regel einen Datenschutzbeauftragten. Bei Unsicherheiten ist das deine erste Anlaufstelle.

Dos and Don'ts für den Einstieg:

  • DO: Frag deine Schulleitung, welche KI-Tools bereits freigegeben sind
  • DO: Nutze KI privat zum Ausprobieren, ohne Schülerdaten
  • DO: Sprich den Datenschutzbeauftragten an, wenn du unsicher bist
  • DON'T: Führe eigenmächtig ein neues Tool für den Unterricht ein
  • DON'T: Gib Schülerdaten in ein nicht freigegebenes Tool ein
  • DON'T: Lass Kinder unter 16 eigene Accounts bei KI-Diensten anlegen

Wichtig: Dieser Kurs gibt Orientierung, keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen wende dich an deine Schulleitung, deinen Träger oder den Datenschutzbeauftragten.

0/3

1Du gibst einen Elternbrief-Entwurf in ChatGPT ein. Was passiert mit dem Text?

2Wer ist in einer Schule verantwortlich für den Datenschutz bei der Nutzung neuer KI-Tools?

3Was bedeutet der DSGVO-Grundsatz der Datenminimierung?

Praxis-Aufgabe

Deine aktuelle Praxis und Fragen

Beschreibe kurz: Welche KI- oder Online-Tools nutzt du aktuell, privat und offiziell in Schule/Kita/GBS? Notiere 3-5 Fragen, die dich beim Thema Recht und Datenschutz am meisten verunsichern.

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