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Modul 2 von 6

Rechtsrahmen & Fairness: Was du wissen musst

20 Min Lesezeit

Was du in diesem Modul lernst

  • Nach diesem Modul kannst du die drei wichtigsten rechtlichen Prinzipien (Schulrecht, DSGVO, Transparenz) auf Prüfungssituationen anwenden
  • Nach diesem Modul kannst du typische Bias-Risiken bei KI-gestützter Bewertung erkennen
  • Nach diesem Modul kannst du erklären, warum Chancengleichheit ein Kernthema bei KI und Prüfungen ist

Schulrechtliche Grundprinzipien

Das Schulrecht regelt Leistungsbewertung länderspezifisch, aber drei Prinzipien gelten überall:

1. Transparenzgebot

Schüler müssen wissen, was bewertet wird und wie. Auch was erlaubte Hilfsmittel sind. Wenn du KI-Nutzung in einer Prüfung erlaubst oder verbietest, musst du das vorher klar kommunizieren. Eine spätere Abwertung wegen 'unerlaubter KI-Nutzung' ohne vorherige Ansage kann rechtlich angreifbar sein. Die Regelungen unterscheiden sich je nach Bundesland.

2. Gleichbehandlungsgrundsatz

Alle Schüler einer Klasse müssen die gleichen Voraussetzungen haben. Wenn ein Teil der Klasse KI nutzt und ein anderer nicht, und du weißt das nicht, bewertest du faktisch nicht vergleichbare Leistungen. Das ist ein Problem, auch wenn es rechtlich schwer zu fassen ist.

3. Eigenständigkeit der Leistung

Prüfungen sollen die Leistung des Prüflings messen. Was genau 'eigene Leistung' bedeutet, darf die Lehrkraft im Rahmen der Vorgaben definieren, aber die Definition muss transparent und konsistent sein.

Praktische Konsequenz: Du brauchst vor jeder Prüfung eine klare Ansage: 'In dieser Klassenarbeit ist/ist nicht erlaubt: X, Y, Z.' Und diese Ansage sollte idealerweise nicht von Klasse zu Klasse oder Lehrer zu Lehrer unterschiedlich sein.

DSGVO bei KI-gestützter Bewertung

Sobald du KI für Bewertungsaufgaben einsetzt, kommt die DSGVO ins Spiel:

Wenn du Schülertexte in ChatGPT einträgst, um Feedback generieren zu lassen, werden personenbezogene Daten von Minderjährigen an einen US-Anbieter übermittelt. Das ist nur unproblematisch, wenn du vorher anonymisiert hast: Name raus, jede Rückverfolgbarkeit raus, keine klassenspezifischen Details.

Besser: Schulische Alternativen nutzen. Anbieter wie fobizz oder schulKI und einige Angebote der Landesinstitute werben mit europäischen Servern und einem AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag). Prüfe die Angaben selbst. Ob du ein Tool tatsächlich einsetzen darfst, entscheidet dein Bundesland bzw. dein Träger.

Was du niemals tun solltest:

  • Klassenarbeiten mit Namen in ChatGPT/Claude eingeben
  • Screenshots von Schülertexten in KI-Tools hochladen, ohne zu anonymisieren
  • KI-Bewertungen in die Noten einfließen lassen, ohne selbst nochmal zu prüfen

Was du tun kannst:

  • Anonymisierte Texte verarbeiten lassen
  • Musterlösungen und Rubrics mit KI erstellen (keine personenbezogenen Daten)
  • KI als Sparringspartner für eigene Formulierungen nutzen

Bias: Die unterschätzte Gefahr

KI-Modelle sind auf menschlichen Texten trainiert und übernehmen deren Vorurteile. Bei der Bewertung kann das zum Problem werden:

Sprachlicher Bias: KI bewertet tendenziell besser, was 'akademisch' klingt. Schüler mit Migrationshintergrund oder aus bildungsfernen Haushalten können dadurch benachteiligt werden, obwohl inhaltlich alles stimmt.

Geschlechter-Bias: KI-Modelle können für identische Texte unterschiedlich bewerten, je nach mutmaßlichem Geschlecht des Autors.

Kultureller Bias: Argumentationsstile sind kulturell geprägt. Ein Essay mit klarer, direkter Gliederung wird im deutschen Schulkontext oft besser bewertet als ein erzählender Aufbau – KI übernimmt diese Normen.

Gewichtungs-Bias: KI bewertet formale Aspekte (Länge, Komplexität) oft überproportional zum Inhalt.

Was hilft: Nie KI-Bewertung als einzige Grundlage nehmen. Immer selbst lesen. Bei auffälligen Abweichungen zwischen KI-Einschätzung und deinem Eindruck: Dein Eindruck gewinnt.

Chancengleichheit: Dos und Don'ts

Vermeiden
  • Stillschweigend davon ausgehen, dass alle Schüler gleichen KI-Zugang haben
  • KI-Nutzung als Hausaufgabe verlangen, ohne Zugang in der Schule zu ermöglichen
  • Kostenpflichtige Tools (Claude Pro, Perplexity Pro) als Grundlage setzen
  • Englisch-dominierte Tools nutzen, ohne Sprachnachteile zu bedenken
  • Unerlaubte KI-Nutzung mit Noten bestrafen, ohne vorherige klare Ansage
Besser so
  • Klare Regeln kommunizieren, die für alle gleich gelten
  • In der Schule KI-Zugang schaffen, wenn KI-Nutzung erlaubt ist
  • Unterschiedliche Ausgangsvoraussetzungen explizit thematisieren
  • Im Unterricht zeigen, wie man KI-Tools gut bedient, bevor man sie in Prüfungen zulässt
  • Offline-Alternativen für Schüler ohne KI-Zugang anbieten
0/3

1Ein Schüler hat eine Klassenarbeit mit KI geschrieben. Du hattest vorher nichts zur KI-Nutzung gesagt. Was darfst du tun?

2Du willst 25 anonymisierte Aufsätze mit ChatGPT vorbewerten lassen. Was ist zu beachten?

3Welches ist KEIN typischer Bias bei KI-gestützter Bewertung?